Shoppingteufel

Manolo Blahniks

Mein Highlight des Tages habe ich eher zufällig entdeckt. Der kleine Laden befindet sich in der 54. Straße, zwischen der 5th und 6th Avenue. Bei meinem Tempo hätte ich ihn fast übersehen. Nur ein ganz kleines Schild gibt einen Hinweis auf den Designerladen. Er ist für New Yorker Verhältnisse winzig und unprätentiös. Ich bin geschockt, weil ich das Schuhgeschäft von Manolo Blahnik beinahe übersehen hätte.
Das ist also der Schuhladen des spanischen Designers, dessen Schuhe Carrie in "Sex and the City" immer trägt. In jeder Staffel spielen mehrfach Modelle von ihm eine Rolle. Als bekennender Fan hätte ich mich sowieso auf die Suche nach dem Geschäft gemacht. Dass ich aber jetzt an meinem zweiten Tag so unerwartet davorstehe, ist die Überraschung des Tages. Die Kundinnen müssen ihm doch die Bude einrennen, was gar nicht so einfach ist, denn ein Türsteher lässt die Kundschaft nur auf Knopfdruck herein. Auch mich lässt man herein, kein Problem.
Ehrfürchtig schreite ich an den Regalbrettern entlang und schaue mir die Schuhe erst einmal mit respektvollem Abstand an. Sie sind auf den ersten Blick ziemlich elegant, schick, teilweise auch sehr farbenfroh, ausgefallen, graziös, extravagant und mit einem sehr schmalen und hohen Absatz. In beiden Verkaufsräumen präsentieren schlichte, hellgraue Wandregale die Ausstellungsstücke in greifbarer Nähe. Besondere Exponate werden auf braunen Schuhständern aus Holz hervorgehoben. Weitere Schuhe stehen auf dem Teppichboden. Die Meisterwerke des Schuhdesigners stehen am Eingang auf besonderen Ständern sowie im Schaufenster. Einige davon auch mit dem Hinweis "Don't touch!". Ein kleiner aber feiner Laden.
Hochnäsig und vornehm - die Verkäufer sollen denken, dass ich eine interessierte Käuferin bin - begutachte ich nun die Ware, lege meinen Rucksack ab und signalisiere so, dass ich durchaus in der Lage bin, diese exponierten Stücke zu kaufen. Dann nehme ich einige Schuhe in die Hand und schaue auf der Sohle nach dem Etikett. Die Schuhe sind um fast zwei Drittel im Preis reduziert, sie kosten also nicht mehr 600 Dollar und mehr, sondern nur noch 240 Dollar. Bei den "Sales" steht auf dem Etikett zusätzlich noch, in welchen Größen die Schuhe auf Lager sind. Das erspart die Nachfrage bei den Verkäuferinnen. Die regulär ausgepreisten Schuhe kosten teilweise mehrere tausend Dollar. Das macht mich sprachlos - obwohl ich ja ohnehin wenig spreche, wenn ich mich so allein durch die Stadt treiben lasse.
Ich stelle den Schuh wieder zurück, nachdem ich dem Türöffner freundlich zugenickt habe. Kennt er die Preise? Ich denke, dass diese Schuhe zwar ausgesprochen modisch und ausgefallen erscheinen, finde aber, dass sie ihren Preis nicht wert sind, auch wenn sie teilweise sehr aufwendig verarbeitet und aus hochwertigem Leder gefertigt sind. Ich traue mich jetzt auch ein Paar anzuprobieren - 260 Dollar für ein Paar schwarze Pumps, die vorher 700 Dollar gekostet haben. Ich weiß nicht. Diese Schuhe jetzt hier ausgestellt zu sehen, verführt mich nicht zu einem Kauf, und zum Glück sind meine Füße jetzt zu dick, um sie anzuprobieren. Meine Freundinnen wären ganz scharf auf diese Schuhe; sie ersteigern sie teilweise im Internet. Ich verlasse den Laden in meinen neuen Gummistiefeln.